Csilla Studio

Csillas Analoge Welt

Die Fotografin und Druckerin Csilla Szabó gibt uns heute einen Einblick in ihr Atelier und spricht über ihre künstlerische Annäherung an die analoge Fotografie. Interessant sind nicht nur ihre von Hand entwickelten Fotos, sondern auch ihr Druckprozess an sich, den sie mit viel Fingerspitzengefühl ausführt und ihre Werke dadurch zu einzigartigen Schätzen macht.

So entstehen Csillas Werke

Csillas Werke sind das Ergebnis eines langen und präzis gelernten Ablaufs, bei dem die Künstlerin alle Schritte von Anfang bis Ende selbst durchführt.

Csillas Kunst beginnt mit der Vorbereitung der Fotosession, indem sie die zu fotografierenden Objekte und Materialien von überall in Berlin ansammelt. Ihre ganz eigenen Motive zeigen starke hell-dunkel Kontraste, wodurch die Fotografin uns neue Welt der Formen und Muster entdecken lässt. Man hat das Gefühl, Csilla malt minimalistische Objekte mit Licht und weckt dadurch starke Gefühle beim Betrachter der monochromatischen Werke. Das Spiel von Licht und Schatten wird somit zum Schlüssel ihrer geheimnisvoll wirkenden Werke.

Csilla Studio

Nachdem die Künstlerin ihre Analogkamera vorbereitet hat, lichtet sie ihre Motive im Studio ab und beginnt mit dem zweieinhalbstündige Entwicklungsprozess in ihrer Dunkelkammer. Die Bildinformation wird erst durch die Entwicklung des Films mittels chemischer Reaktion in einer mehrdimensionalen Gelatineschicht auf einem Negativ sichtbar gemacht. Danach säubert Csilla jedes Negativ minuziös von Staubpartikeln und Schmutz und vergrößert dann as Bild, in dem sie das Negativ auf Fotosensibles Papier projiziert. Licht und Schatten werden in diesem Schritt invertiert, wodurch ein Positiv auf Papier entsteht. Nun wir das Papier mit verschiedenen Chemikalien behandelt, wodurch die Farben haltbar und das Ergebnis qualitativ hochwertig gemacht wird.

Csilla Studio

Durch die hohe Fotosensibilität der Materialien ist jedes Werk einzigartig. Die Künstlerin bearbeitet es außerdem mit Papier, Plastik oder per Hand, in dem sie die Bilder stärker oder weniger stark belichtet und mit Kontrasten spielt. Wenn die Fotografie getrocknet ist, korrigiert Csilla kleine Makel mit einem dünnen Pinsel, wodurch sie die Einzigartigkeit jedes Werks noch mehr unterstreicht.

Alle bei Artig Gallery präsentierten Werke der Künstlerin werden von Hand als Silbergelatinabzug auf Ilford Warmtone Glossy Fiber Papier gedruckt und sind in 2 Größen, als limitiert Auflage von 7 Drucken per Grösse erhältlich.

Csilla Studio

Zu Csilla Itos Kunst

Interview


Wie kamst du zur Fotografie?
Als ich 23-24 war, fühlte ich den Drang, etwas in meinem Leben zu ändern. Ich wollte etwas Neues machen, etwas Bedeutungsvolles. Ich bin dann nach Japan und Südkorea geflogen um mir klar zu werden, was ich machen wollte. Die kulturelle Szene war dort so anders und ich konnte einfach nicht aufhören, alles mit meiner kleinen digitalen Kamera zu fotografieren. Ich war so inspiriert von allem, dass ich bei meiner Rückkehr nach Ungarn beschloss, Fotografie zu studieren. Später hatte ich das Glück mit Jeff Cowen zu arbeiten, der analog fotografiert: meine Leidenschaft war erweckt.

Erinnerst du dich an dein allererstes Foto?
Meine erste analoge Fotografie machte ich während des Studiums auf einer Studienreise im Budapester Schloss. Es waren verschiedene Nahaufnahmen und ich wusste eigentlich gar nicht, wie man den Film richtig einlegt. Aber ich weiß noch, wie aufgeregt ich auf das Ergebnis während des Entwickelns gewartet habe.

Warum analog in einer immer mehr digitalisierten Welt? Was sind für dich die größten Unterschiede?
Es ist wichtig für mich klarzustellen, dass ich nicht gegen digitale Fotografie bin. Ich glaube, dass sie wichtig ist und dass es in vielen Fällen Sinn macht, digital zu fotografieren, zum Beispiel bei Produkt Fotografie, Journalismus, Werbung, usw. Trotzdem ist die Analogfotografie ein bisschen wie die Malerei der Fotografie. Damit beziehe ich mich auf die Zeit, in der es noch keine Fotografie gab und Könige, Adlige, etc. sich portraitieren ließen um ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen. Für mich hat die Analogfotografie eine ähnliche Bedeutung, sie ist die Weiterentwicklung der Malerei. Für mich persönlich ist die Körnung das Schöne. Ich bin ganz versessen auf das wunderschöne Muster, ich liebe den ganzen Entwicklungsablauf, die Chemikalien, die Plastikhandschuhe, die Dunkelheit, das Papier zu rollen, ... – Das würde ich nie gegen einen Computerbildschirm eintauschen wollen. Bei analogen Bildern muss man sehr nachdenken, bevor man abdrückt. Man hat einfach nicht so viele Versuche und dadurch nimmt man sich Zeit, darüber nachzudenken, was man fotografieren will, wie man den Ausschnitt wählt, usw. Einfach weil der Prozess so langwierig ist.

Du hast mit dem amerikanischen Künstler und Fotografen Jeff Cowen zusammengearbeitet, was hast du von Ihm gelernt?
Jeff kam in mein Leben als ich es am meisten gebraucht habe, ein perfekter Zufall. Durch ihn war ich in der Lage, mich in die Analogfotografie zu vertiefen, die Techniken zu verstehen und die Freiheit zu bewundern, mit der er seine Werkzeuge benutzt. Ich habe vor allem 2 Dinge von ihm gelernt: Technisches Know-how und Erfahrung. Damit meine ich, dass ich nichts akzeptiere, das für mich nicht perfekt ist, aber immer mit einer spielerischen und erfinderischen Haltung gegenüber dem Entwicklungsprozess. Für mich ist es wichtig immer auf den Bauch zu hören, auf die Intuition zu setzten, das innere Auge walten zu lassen und meine Bilder rücksichtslos auszuwerten und dann nur die ausdruckstärksten Bilder auszuwählen. Jeff war mein Mentor und durch ihn verstand ich Visuelle Kunst, Kunst, die über das Konzept hinausgeht, die Wichtigkeit der harten Arbeit, aber auch der Pausen und des Zurücktretens, damit man seine Kunst aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.

Warum hast du dich auf leblose Objekte spezialisiert? Was hältst du von Portraitfotografie?
Eine interessante Frage. Jeff schenkte mir meine erste Kamera als ich noch eine sehr schüchterne junge Frau war, zu schüchtern um rauszugehen und mich selbst inspirieren zu lassen. Daher bevorzugte ich es, allein im Studio zu fotografieren und mich voll und ganz auf das Motiv und die Kamera zu konzentrieren. Jahre später ist die Schüchternheit verflogen und ich sehe mich heute nach Motiven im Freien um. Allerdings bin ich immer noch am meisten an abstrakten Formen interessiert und arbeite deshalb mit leblosen Objekten, die ich durch meine Arbeit verändere. Bei mir dreht sich alles um Abstraktion, aber man kann nie wissen, vielleicht werde ich später auch mal Portraits machen (sie lächelt).

Welche/n Fotografin/en bewunderst du am meisten?
Lee Miller – wegen ihres wunderbaren Lebens also Fotografin in einer wunderbaren Epoche der (Kunst-) Geschichte.

Welche berühmte Fotografie hat dein Leben verändert?
Man Rays Rayographie - Ich arbeite auch schon an neuen aufregenden Arten, meine Bilder analog zu bearbeiten und werde bald noch mehr neue Techniken anwenden.

Frage & Antwort


Csilla, was haben Sie heute morgen gefrühstückt?
Einen Kaffee und eine Zigarette

Wohin ziehen Sie sich in Berlin gern zurück?
Es gibt einige in der Nähe des Kanals

Wen bezeichnen Sie als Ihren Helden?
Jeff Cowen

Was überrascht die Menschen an Ihnen?
Ich bin damals fast durch den praktischen Teil des Fotografie Examens gefallen, und heute könnte ich dort unterrichten!

Ihr persönlicher Luxus:
Fotografiezubehör

Ihre Lieblingskunstrichtung:
Avanguard tschechischen Bewegung

Ihre 3 Lieblingskünstler:
Eugen Wiskovsky, Margaret Bourke-White, László Moholy-Nagy

Wann schaffen Sie Ihre besten Werke?
In der Dunkelheit, Nachts und mit Musik.

Beschreiben Sie ihren künstlerischen Stil in 3 Worten:
Abstraktion, Muster, Licht.

Welchen Tip würden Sie aufstrebenden Künstlern geben?
Arbeite hart, aber nur für dich selbst (wie als wärst du in einer Blase, ohne Geräusche von außerhalb). Niemand steckt so viel Zeit und Anstrengung in deine Arbeit wie du, also hab keine Angst auf deine Stimme zu hören und dich selbst zu beurteilen.

Zu Csilla Itos Kunst