Art Market 17
Art Market 2017

Die neuen Marktdaten sind da! 2016 war ein aufregendes Jahr für den Kunstmarkt, mit wichtigen Veränderungen für traditionelle Kanäle, Fusionen und eine generell schwache Performance des globalen Marktes. Der kommerzielle online Kunstmarkt stützt sich auf verschiedene Kanäle: Auktionshäuser, Galerie- und Auktions-Aggregaten, die als Dritt-Plattformen bekannt geworden sind, und online Market Places und Händler, die entweder nur online arbeiten, oder ihren offline Kanal mit online Verkauf kombinieren. Da die Marktforscher mit verschiedenen Datenquellen arbeiten, entstehen ganz unterschiedliche Kunstmarkt Analysen und Interpretationen. Schauen wir uns die verschiedenen Berichte an:

Zum einen gibt es den Hiscox Online Art Market Report, der jährlich den online Kunstmarkt ausführlich analysiert. Obwohl der diesjährige Bericht noch nicht erschienen ist, geht Hiscox davon aus, dass der online Kunstmarkt 2015 die 3.27 Milliarden Dollar überschritt mit einem Wachstum von +24%. Der chinesische online Kunstmarkt wird in diesen Ziffern allerdings nicht berücksichtigt, wobei chinesische Auktionshäuser nach eigenen Angaben 2014 zusätzlich 3.2 Milliarden Dollar Umsatz machten. Drittanbieter sind in den Ziffern allerdings enthalten, ganz anders als bei TEFAF. Im April wird voraussichtlich die aktualisierte Version des Berichts erscheinen, die wir selbstverständlich in diesem Blog teilen werden.

Zum anderen haben wir den „Global Art Market Report“ von TEFAF vorliegen, der eine andere Methode der Datenanalyse verwendet. Die Forscher gingen einen Schritt weiter und verkleinerten den Kunstmarkt kurzerhand um fast ein Drittel, in dem sie ihre Arbeitsweise umstellten und dem globalen Kunstmarkt nur einen Umsatz von 45 Milliarden US Dollar zuschreiben, mit einem leichten Wachstum von +1.7% gegenüber 2015. Der Bericht bestätigt eine Abwanderung der Käufer von Auktionshäusern hin zu privaten Händlern, die mittlerweile für 62.5% der weltweiten Kunstverkäufe verantwortlich sind. Das lässt sich dem Bericht nach darauf zurückführen, dass Sammler mehr Unterstützung, Datentransparenz und Diskretion suchen, die sie bei Galeristen und Händlern finden. Der Bericht ist in vielerlei Hinsicht sehr interessant, birgt allerdings keine quantitativen Daten über den Online Kunstmarkt, daher konzentrieren wir uns auf den nächsten Report.

Diesen Monat veröffentlichten außerdem Art Basel und UBS ihre Marktanalyse „The Art Market 2017“, in der sie den weltweiten Umsatz an Kunst im Jahr 2016 mit 56.6 Milliarden US Dollar bezeichnen, mit einem negativen Wachstum von -11% gegenüber dem Vorjahr. Dem Bericht zufolge wurden 81% des Gesamtumsatzes in den USA, Großbritannien und China umgesetzt. Im Gegensatz zum allgemein zurückgehenden globalen Kunstmarkt, wächst der online Markt wie im Vorjahr; der Verkauf von Kunst und Antiquitäten über das Internet stieg im Vergleich zum Vorjahr +4% auf einen Gesamtwert von 4.9 Milliarden US Dollar an, ein relativ solides Ergebnis in diesem Kontext. Demzufolge wird online bereits 9% aller Kunst verkauft, in einigen Ländern bedeutend mehr, wie zum Beispiel in Deutschland mit 12,7% (2014), laut des Statistischen Bundesamtes. Interessanterweise sind die reellen Werte wahrscheinlich noch sehr viel höher, da die Zahlen dieses Berichts nur den Absatz von Auktionshäusern, offline Galerien die auch online verkaufen und online Galerien, aber nicht den Umsatz oder die Kommissionen von Drittplattformen so wie zum Beispiel Catawiki in Betracht ziehen.

Sammler haben sich mittlerweile an den Kauf von Kunst im Internet gewöhnt und beginnen, Kunst in höheren Preisklassen online zu erwerben. Während 2015 noch 61% des Verkaufs unter 5.000$ lag, wurden 2016 schon 75% der Kunst bis zu Preisen von 50.000$ verkauft; und auch die Zahl der Werke mit Preisen bis zu 250.000$ stieg extrem (siehe Grafik). Daraus kann man folgern, dass online Händler es geschafft haben, das Vertrauen ihrer Kunden zu gewinnen und Sammler die Vorteile dieses Kanals erkannt haben und sich an den Kanal gewöhnt haben.

Verkauf von Online Firmen nach Preissegment:
Graphic Art Basel

Kunsthändler bestätigen in dem Bericht, dass das Internet die besten Möglichkeiten bietet, neue Sammler zu erreichen: 2016 machten sie mehr als die Hälfte ihres Umsatzes (56%) durch neue online Kunden, die sie nie zuvor persönlich kennengelernt hatten.
Die größten Herausforderungen der Händler sind der Zugang zu guten Werken, Marktregulierungen, Logistik und der Transport der Werke. Außerdem ist es für einen erfolgreichen online Verkauf wichtig zu verstehen, was einen Webseiten Besucher schlussendlich zum Kauf bewegt und was ihn dazu anregt, mit der Webseite, den sozialen Netzwerken, Newslettern, etc. zu agieren. Vertrautheit mit der Galerie oder Plattform wird mittlerweile meist durch soziale Netzwerke geschaffen, vor allem Instagram, aber auch Facebook und Twitter sind wichtig für Kunstverwandte Firmen und dienen vielen Sammlern und Kunstinteressierten dazu, neue Werke zu entdecken und zu teilen.
Die vielen Vorteile des e-commerce haben mittlerweile auch Kunstsammler für sich entdeckt. Sie haben rund um die Uhr Zugang zu Kunst, können von Handy und Laptop aus Werke entdecken, und sie dann schnell und effizient liefern lassen. Das alles sind wichtige Punkte für den Kunstsammler, der sich oft von seinem Gefühl leiten lässt und auch für den Künstler, der durch das Internet die Chance bekommt, internationale Sammler und andere Künstler zu erreichen.

Die Zukunft des globalen Kunstmarktes wird in mitten von weltweiten politischen Veränderungen ungewiss. 50% der Kunsthändler weltweit sehen dem Austritt Großbritanniens aus der EU pessimistisch entgegen, da allein in diesem Land 24% der globalen Kunst verkauft wird. 55% glauben, dass die neue Präsidentschaft in den USA den Markt negativ beeinflussen wird. Positiv sehen 66% der Händler die Auswirkungen der Globalisierung auf den Kunstmarkt.


Quellen: Tefaf Art Market Report 2017, Hiscox Online Art Trade Report 2016, Art Basel & UBS The Art Market 2017.