Gianni Moretti Studio

Im Atelier von...Gianni Moretti

Die Erforschung der Grenzen der Natur und die Interpretation lebender Organismen definieren das plastische Oeuvre des bekannten italienischen Künstlers Gianni Moretti. Die langjährigen Forschungs- und Kunstprojekte des in Mailand lebenden Künstlers stützen sich auf die Zartheit der Materialien, die allgegenwärtige Gefahr und die in Fetzen und Abfall versteckte Schönheit.
Der im italienischen Perugia geborene Gianni Moretti begann seine künstlerische Laufbahn mit einem Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste in Bologna. Nachdem er in Berlin die Fotografie für sich entdeckte, entschied er sich für ein zusätzliches Fotografie Studium am Instituto Italiano für Fotografie in Mailand.

Von dort beginnt Gianni seine künstlerische Arbeit, in dem er sich mit der Kombination von Techniken wie Malerei, Collage und Zeichnung befasst. Er erhält interessante Kunststipendien, die ihn New York und Seoul erkunden lassen. Dank seiner umfangreichen künstlerischen Laufbahn in der italienischen Kunstszene wurde er mit dem Italienischen Kunstpreis (2003) und dem Preis der Nationalen Olympischen Akademie in Rom (2006) ausgezeichnet.

Die Freude war groß bei Artig Gallery, als Gianni uns in sein Mailändisches Atelier einlud, wo wir die Hintergründe seiner Projekte hautnah erfahren und entdecken durften. In seiner Werkstatt und dem Ausstellungsraum wurden wir sofort von der Fülle der Materialien mit denen der Künstler arbeitet, überwältigt: Cellulose Papier, Pigmente, Kunststoffe, Acryl-Stücke, Samt, PVC und vieles mehr. Diese unterschiedlichen Materialien bestimmen den Ton der Werke des Künstlers, es geht um Zerbrechlichkeit und Zartheit, die den Betrachter in Staunen versetzen, einerseits bewundert, andererseits um die Stabilität der Stücke bangend.

Während unseres Atelier Besuchs lernten wir die bevorzugte Themenwelt des Künstlers kennen, die sich hauptsächlich um Flora und Fauna dreht. Die hier zusehenden und ausgestellten Arbeiten sprechen von der Nebeneinanderstellung zarter lebender Organismen und deren ständige Gefahr, zusammenzubrechen. Dazu erzählt uns Gianni: „Die Tierwelt hat mich schon immer fasziniert, vor allem diejenigen, die fast geräuschlos leben, wie Rehe oder Schlangen. Oft sind sie auf der Flucht oder ziehen sich zurück." Diese Themen sind für den Künstler von großer Bedeutung und Teil eines Ganzen, sie beziehen sich auf 3 Schlüsselelemente: Balance, Perfektion und Aufmerksamkeit.



In seinem Atelier spricht Gianni von seiner Vision: „Meine Kunst verfolgt das Ende der Fehler, und den unbewussten Wunsch mit falschen Dingen zu arbeiten und die Sedimentation von Formen zu verfolgen. Eine Hypothese relationaler Kunst, die zu einer intimen Analyse unseres Sozialwesens wird. Mein Werk ist eine Forschungsarbeit, bereit zur Verurteilung, aber in einem Zustand der scheinbaren Ruhe, offenbart durch nebensächlich wirkende Fragmente, Schnipsel, Papier, Verzögerung, Besessenheit, Verwandlung."

Für Moretti ist es die Rolle des Künstlers, Themen zu erforschen, die von der Gesellschaft vergessen wurden. Der zentrale Mittelpunkt der Forschungsarbeit ist der Künstler und seine Umgebung, ohne die Absicht, sich in Propaganda zu verwandeln. Für Gianni bedeutet Künstler zu sein, seine Art des Widerstandes ausüben zu können: „Zart, voller leben, ausdauernd und unverzichtbar“.

Gianni At work

Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit dem renommierten italienischen Künstlers Gianni Moretti in unserer 3. Ausgabe von Artig Galerie Capsule Collections. Zum ersten Mal online und exklusiv nur für unsere Sammler stellen wir eine Reihe intimer Werke des Künstlers zum Kauf vor, die zum Nachdenken anregen und Sie bestimmt in ihren Bann ziehen.


Mehr Information zur Capsule CollectionCAPSULE COLLECTION x GIANNI MORETTI

Interview


Wann und wie hast du dich dazu entschieden, Künstler zu werden?
Ich weiß gar nicht genau... Sicher nicht, als ich auf der Kunst Akademie studierte (als sie mich fragen, was ich machen will, antwortete ich immer, dass ich niemals Künstler werden wollte). Wahrscheinlich passierte es eines Tages, an dem ich mich in meinem Atelier umsah und mich mit allem um mich herum identifizierte.

Welches war dein erstes Kunstwerk?
Ich glaube, das habe ich 2001 an der Kunst Akademie geschaffen, während eines Examens: 6 Leinwände mit rotem Samt und ‚nero fumo’ Ablagerungen. Es war das erste Mal, dass ich etwas in meiner Kunst erkannte, dass über meine Absichten hinausging: es war das erste Mal, dass mich mein Werk überrascht hat.

Wie würdest du deine Zeit in Berlin beschreiben?
Wunderschön, reich und überstimuliert.

An welchen Projekten arbeitest du momentan und in welche Richtung entwickelst du deine Kunst?
Im Moment arbeite ich an einem öffentlichen Monument in S. Anna di Stazzema, im Gedenken an das Massaker das dort 1944 von den Nazis verübt wurde. Die Idee hinter dem Projekt ist, symbolisch an das Gebäude zu erinnern, das zerstört wurde. Die Idee ist, ‚das Leben zu feiern, indem wir leben’.(...). Es ist ein Projekt, dass wachsen wird und mich mit allen, die es berührt verbinden wird.



Gianni, was hast du heute Morgen gefrühstückt?
Kaffee (unverzichtbar), Joghurt, eine Banane und Müsli.

Wohin ziehst du dich in Mailand gern zurück?
Ja, natürlich in mein Atelier. Es ist ruhig und weit entfernt von Allem. Dort bin ich jeden Tag, auch, wenn ich nur ein Buch lese.

Wen bezeichnest du als deinen Helden?
Donald Trump. Hahahaha, das war ein Scherz ☺ Schwierig nur einen zu nennen, aber eigentlich jeder, der es mit sich selbst aufnehmen kann, sich selbst akzeptieren und lieben kann.

Was überrascht die Menschen an dir?
Sag ich nicht...

Dein persönlicher Luxus?
Die Möglichkeit zu haben, Menschen kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören.

Deine Lieblingskunstbewegung?
Nicht wirklich eine Bewegung: Bauhaus.

Deine 3 Lieblingskünstler?
Kiki Smith, Felix Gonzales Torres, William Kentridge

Wann schaffst du deine besten Werke?
Wenn ich mich am stärksten mit mir selbst verbunden fühle?

Hast du eine Muse?
Nicht wirklich.

Beschreibe deinen künstlerischen Stil in 3 Worten:
Diskret, vorsichtig, chirurgisch.

Welchen Tipp würdest du einem aufstrebenden Künstler geben?
Noch vor einer Galerie, Kurator, Sammler oder Kunstsystem, ...an erster Stelle steht: Deine Forschung. Nur so kannst du dem, was du machst, einen Sinn geben.

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