Claudia Segura

GAST KURATOREN

Claudia x Artig Gallery

Claudia Segura,
Barcelona, Spanien

Die Kuratorin Claudia Segura (Barcelona, Spanien, 1984), besitzt einen Bachelor Abschluss in Geisteswissenschaften von der Universität Pompeu Fabra Barcelona (2007), einen Master-Abschluss in zeitgenössischer Kunsttheorie von der Goldsmiths University in London (2007-2008) und einen Teilabschluss des Independent Study Program des Museums MACBA in Barcelona (2010). Sie hat außerdem ein Praktikum der kuratorischen Abteilung des Tate Modern absolviert (2008-2009).

Claudia hat als Koordinatorin des Loop-Video-Kunst-Festivals und in der Kulturabteilung der „La Caixa" Stiftung gearbeitet. Außerdem war sie Tutorin der „Sala d'Art Jove“, sowie Gastrednerin an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. Auf internationaler Ebene hat sie als Kuratorin der Mardin Bienniale in der Türkei gearbeitet und sie heute die Kuratorin von NC-arte in Bogotá in Kolumbien.

Weiter kuratorische Projekte: Fifty from Han Nefkens H+F Collection in collectorspace, Istanbul (2014), the cycle: Micro-actions of emergency at Adn Platform, Barcelona (2013-2014), Copy / Paste – Recodifying the gesture at the Instituto Cervantes in London (2013), Conclusion never comes – a reading on the Coleçao desenhos de Madeira, (Teixera de Freitas) in Sala El Broncese des Foro Sur, Cáceres (2013), Past Forward für das Video art Loop Festival, Barcelona (2010), Like Tears in Rain im Palacio das Artes in Porto (2010), Shacking Idiosyncrasies in der Galiere Hold and Freight, London (2009) und Producing Urban Order an der Goldsmiths University, London (2008). Veröffentlichungen: Claudia hat bei der Veröffentlichung diverser Kataloge mitgewirkt und schreibt außerdem für Kunstmagazine. Als Redakteurin und Koordinateurin des Magazins Florae, hat sie die erste Zeitschrift von Flora ars+natura in Bogotá veröffentlicht und ist weiterhin Mitglied der kollektiven Forschungsgruppen de vuelta y vuelta und Gründerin der Gruppe para abrir boca.


„Die wirkliche Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu erforschen, sondern darin, altes mit neuen Augen zu sehen"
Marcel Proust

An was denken wir, wenn wir von einer Landschaft sprechen? Eine Landschaft, wie sie Tobias Kaiser in seinen wunderbaren Acrylfarben malt, als großes erhabenes Gebiet, das uns anzieht und neugierig macht, und geduldig darauf wartet, dass wir es erkunden. Nähert man sich dem Konzept einer Landschaft, fühlt es sich ein bisschen an, als beginne man ein Abenteuer und eine Entdeckungsreise. Wenn wir heutzutage zwischen 2 großen Kategorien von Landschaften unterscheiden müssten, dann könnten wir den natürlichen und unberührten Raum dem bebauten und urbanen Raum gegenüberstellen.

Die urbane Landschaft unserer Großstädte ist geprägt von endlosen Autobahnen, hohen Wolkenkratzern und perfekt zylindrischen Kreisen, die sich dem jeweiligen Gelände anpassen. Man könnte von einer Ausgrenzung der Natur sprechen, allerdings im Einklang mit den natürlichen Ressourcen der Erde. So schildert Maria Pomianskys Highway to Bern durch vielschichtige Ölmalerei die Kurzlebigkeit des Pulses der Stadt, ihre schnelle Bewegung und ihre vielen sensorischen Schichten. An dieser Autobahnkreuzung, erkennen wir alles, was eine Stadtlandschaft definiert: der Rauch der Industrie, das Einkaufszentrum, die Asphaltstraße und eine Brücke, die einen halb verlassenen Ort unter ihren Pfeilern versteckt. Im Hintergrund erkennen wir die von Eichen und Buchen bewachsenen Berge, typisch für Bern.

Oft sind es die Grauzonen, die uns ins Auge stechen. Meist unscheinbar und optisch weniger interessant, machen sie einen Grossteil unserer Landschaften aus. In der Serie Backroads zeigt die aus Madrid stammende Fotografin Sara Janini verlassene Orte. Trostlos aber gleichzeitig sehr schön zeigt diese Serie unter anderem Backroads 01, das schwarz-weiß Porträt eines Ortes, an dem die Zeit stehen geblieben scheint. Man hat das Gefühl, dass sich seit langem keine Menschen Seele an diesen Ort verloren hat.
Die leeren Bänke warten verträumt darauf, besetzt zu werden und lassen sich dabei vom weißen Schnee einhüllen. Genau wie bei Backroads 05, wo ein Metallschild eines Eisstandes abgebildet ist, einsam zurückgelassen von Bergen von Wolken, zeigen beide Fotografien Entspannung und Meditation und erinnern uns an Pausen und die Wende der Gezeiten.

Die Anonymität und die Vergänglichkeit dieser portraitierten Orte erzählen von einem flüchtigen Moment. In der modernen Anthropologie, werden sie als „Nicht-Orte" beschrieben. Ricardo González inspiriert sich in seinem malerischen Prozess und seiner präzisen Pinselführung an diesem Phänomen indem er es mit Farbschichten in neue fantastische Landschaften verwandelt. Landschaften können auch bewegend sein. Die Fantasie wird zum wesentlichen Faktor, um ein Bild oder eine Serie zu beschreiben: In „Souvenir vom Nicht-Ort” zeigt der Künstler wie scheinbar unbedeutende und dürftige Elemente zum Kern von abstrakten Kompositionen werden können, die es uns erst ermöglichen, neue Orte zu erfinden.

In diesem Werk ermöglicht es uns Ricardo González, an eine fantastische Landschaft zu denken, die über alle Grenzen hinausgeht und in der unser Geist eine Schlüsselrolle spielt. Wir fragen uns, ist Landschaft nicht etwas, dass wir im Kopf erschaffen? Etwas, dass wir mit geschlossenen Augen entwerfen, während wir auf einem Sofa sitzen, neben einem wärmenden Kaminfeuer und dem Regen lauschen, der auf das uns schützende Dach prasselt? Ohne Zweifel nimmt uns die Mixed Media Komposition Mi interior como paisaje interior (Meine Inneres, eine innerer Landschaft) von Lluc Queralt auf die Reise in eine Welt mit, die zur Reise in unser Innerstes wird. Der Schlüssel, eine Landschaft zu verstehen, liegt damit in uns; genauso wie wenn wir ein Kunstwerk betrachten, müssen unsere Augen sich erst an das Licht gewöhnen und dann konzeptionellen Verbindungen schaffen. Und wie durch Magie verstehen wir auf einmal einen Ort und können neues komponieren.

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