Cordelia Oppliger

GAST KURATOREN

Guest Curator Cordelia

Cordelia Oppliger,
Zürich, Schweiz.


Cordelia Oppliger ist Kuratorin und Kommunikationsexpertin aus Zürich. Als Kuratorin hat sie bei verschiedenen Nationalen Ausstellungen mitgewirkt und beigetragen, wie zum Beispiel "They Printed It" in der Kunsthalle Zürich (2015.-2016), "Involvment requires perception" im Museum Bärengasse Zurich (2015), und Ihre Text, zum Beispiel zur Manifesta 2016, wurden unter anderem im Kunst Journal OnCurating veröffentlicht. Heute ist sie für das Ausstellungsteam des Kulturama Museums Zürich verantwortlich. Für Cordelia ist Kunst eine Art der Kommunikation, immer mit dem Ziel etwas im Betrachter auslösen zu können.

Anbei das interessante Interview über ihre ganz persönliche Einstellung zu Kunst und Ausstellungen, aktuelle Trends der Kunstszene, ihre Inspiration und Tips für neue Kunstsammler. Am Seitenende sehen Sie die von Ihr empfohlene Auswahl an Kunst, die sie selbst als Auseinandersetzung mit der Simplizität bezeichnet.



Interview zur Kuration


Was bedeutet Kunst für dich?
Kunst ist für mich ein Öffnen, ein Out-of-the-Box-Denken, ein Zugang zu einer anderen Perspektive.

Wann hast du dich zum ersten Mal mit Kunst auseinandergesetzt?
Wahrscheinlich als ich meine erste Zeichnung gemalt habe ☺ Aber so richtig habe ich mich erst viel später, vielleicht so um die 35, mit Kunst beschäftigt. Ich dachte immer, man bräuchte ein bestimmtes Wissen um Kunst zu verstehen - und dieses Wissen hatte ich nicht. Irgendwann fing ich einfach an, Kunstmuseen zu besuchen und merkte rasch, dass mich einige Kunstwerke sehr berührten, etwas in mir auslösten, mich zum Denken anregten. Ich versuchte nicht mehr, sie zu verstehen im eigentlichen Sinne, sondern einfach hinzuspüren, was sie in mir bewegten. Heute noch, mit mehr Wissen, ist für mich gute Kunst die, die etwas in mir auslöst.

Wie kamst du dazu, Kuratorin zu werden? Was interessiert dich am Curating am meisten?
Ich komme aus der Kommunikation und verstehe Ausstellungen als eine Form davon. Mit dem Curating wollte ich mir gezielt Wissen über die Kommunikation im Raum aneignen, in der klassischen Kommunikation gibt es dazu, zumindest in der Schweiz, noch keine Weiterbildungen. Da ich Kunst sehr mag, habe ich mich für das Curating entschieden. Im Laufe der Ausbildung zog es mich immer mehr zum Kuratieren hin. Dabei interessiert mich, wie wir mit den Kunstwerken kommunizieren können, mit der Art des Ausstellens, mit dem Kontext, mit den Räumen und deren Gestaltung, mit den Texten, den Displays, kurz: mit allem. Und mich fasziniert auch, wie wir mit leichtem Verschieben des Kontexts die Kunstwerke in ganz andere Zusammenhänge bringen, wie wir als Kuratorinnen auch eine Position einnehmen können mit der Art, was und wie wir ausstellen.

Du arbeitest du momentan im Museum Kulturama in Zürich und kombinierst deine beiden Leidenschaften: Kommunikation und Kuration. Kannst du uns mehr über deine Rolle und deinen Alltag dort erzählen?
Ich bin hier für die Kommunikation und das Ausstellungsteam verantwortlich. Nebst den bestehenden Dauerausstellungen haben wir jährlich wechselnde Sonderausstellungen, die nächste wird eine Eigenproduktion. Zusammen mit der Direktorin, Ausstellungskoordinatorin, Grafikerin und Technikerin kann ich in meiner Funktion auf das Konzept der Ausstellungen Einfluss nehmen und sie so von der Idee über die Umsetzung bis zum Verkaufen mitdenken, d.h. die Ideen räumlich umsetzen. So können wir diskutieren, mit welchem Text, welchem Material, welcher Anordnung etc. wir kommunizieren wollen. Das ist sehr komplex, herausfordern und spannend. Die Arbeit fordert mich jeden Tag neu, ist voller Überraschungen – und das mag ich.

Was willst du den Besuchern eures Museums mitgeben?
Ich möchte die Lust auf mehr wecken, die Besucherinnen und Besucher neugierig machen. Nicht nur, dass sie uns wieder besuchen, sondern auch dass sie angeregt werden, andere Museen oder Ausstellungen zu besuchen. Dass sie sich neue Zugänge erschließen, dass sie sich mit anderen Perspektiven, anderen Realitäten auseinandersetzten. Ich möchte, dass sie Museen / Kunstinstitutionen als Raum des Austausches verstehen, Ort der Inspiration und als ein Ort der Pause vom Alltag.

Welche Rolle spielt für dich das Internet für die heutige Kunst? Kann die Kunst ohne Internet überhaupt noch existieren?
Das Internet sehe ich als weiteren, globalen Raum für die Kunstkommunikation. Grundsätzlich könnte die Kunst ohne Internet existieren – das hat sie ja sehr lange bewiesen – aber es wäre sehr schade, diesen Raum nicht zu nutzen. Anstatt sich zu ängstigen, dass das Internet einen die BesucherInnen in der physischen Galerie oder im Museum wegnimmt, sehe ich das große Potenzial dieses digitalen Raums: Ich kann Kunst weltweit zugänglich machen, ich kann kleinst-Kunsträume virtuell besuchen, ich kann interdisziplinär und interkulturell arbeiten. Das Internet eröffnet neue Chancen, die außer Acht zu lassen, fände ich sehr schade und nicht mehr zeitgemäß.



Welcher (aufstrebende) Künstler hat dich in der letzten Zeit am meisten beeindruckt und warum?
Ein Künstler kommt mir spontan in den Sinn: Markus Kraft. Er arbeitet an der Schnittstelle von Grafik, Kommunikation und Kunst. Es ist diese Schnittstelle, die mich fasziniert, dieses Wandeln auf beiden Seiten, ein Grat, die Vermischung, die unweigerlich passiert und damit Neues entstehen lässt.

Welches Museum oder Ausstellung würdest du gerne erstellen/erfinden?
Ich würde gerne eine Ausstellung über den Moment machen und die Schwierigkeit, ihn festzuhalten und gleich wieder loszulassen, über die Veränderung, die allem innewohnt. Die Ausstellung sollte ein Ort sein, wo man immer wieder hingeht, weil er jedes Mal anders ist und wo auch partizipative Kunst entstehen könnte.

Welche künstlerischen Trends stechen für dich 2017 heraus?
So spontan würde ich sagen, es ist die Vielfalt, die heraussticht. Vom Wiederentdecken der alten Meisterwerke bis zu interdisziplinären Formen wie z. B. Wissenschaft und Kunst zu partizipativen (Performance)Formen, alles findet jetzt statt.

Sammelst du selbst Kunst?
Ja, allerdings im sehr bescheidenen Rahmen. Z.B. habe ich Kunstwerke von Marcus Kraft und Golrang Daneshgar, einer wunderbaren iranischen Künstlerin, die an der Schnittstelle von Architektur und Illustration arbeitet. Ihr präziser und unprätentiöser Strich hat es mir sehr angetan.

Welchen Tipp würdest du einem aufstrebenden Künstler geben?
Als Kommunikationsfrau würde ich natürlich dazu raten, die verschiedenen Kommunikationskanäle, on- und offline, sorgfältig zu evaluieren, auszuwählen und zu pflegen. Viele KünstlerInnen setzen vor allem auf das physische Ausstellen. Hier liegt ein großes Potenzial und gerade der digitale Raum bietet eine große Chance.

Welchen Tipp würdest du einem neuen Kunstsammler geben?
Ich würde mit Leidenschaft sammeln. Also, sammeln, was mir gefällt. Die rote Klammer wird sich ergeben, der Überbau. Als Besucherin sehe ich einer Sammlung an, wenn sie zielgerichtet auf den Wert gesammelt wurde. Es fehlt ihr schlicht an Kraft und Ausstrahlung. Ich habe lieber einen Mix, das sagt mir auch etwas über die sammelnde Person aus. Für mich ist der Kontext das spannende an einer Sammlung: Warum wurde etwas ausgewählt, wo ist der Bezug zum Kunstwerk, was ist die Geschichte dahinter? Wo ist die Leidenschaft für dieses Kunstwerk?

Was hat dich inspiriert?
Mich haben Künstlerinnen und Künstler inspiriert, die überraschen, die mit dem Detail arbeiten, mit Rhythmen und Kontrasten und dadurch auch Alltägliches oder Bekanntes in die Kunst verschieben.

Welchem Konzept unterliegt deine Auswahl?
Was meine Auswahl zusammenhält ist die Reduktion. Die Reduktion ist auf den ersten Blick eine Simplifizierung. Die Auseinandersetzung mit der Simplizität aber lädt zu Interpretationen ein, stellt das Ganze in Frage, lässt uns das Komplexe, den Kontext, selber erarbeiten und führt zu verschiedenen Perspektiven.

Für wen ist deine Kunstauswahl gedacht?
Für neugierige Menschen, für Menschen, die sich auseinandersetzen möchten. Die selber denken. Die nicht das Absolute suchen, sondern das Offene.

Vielen Dank für das Gespräch.
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