Ina Ciumakova

GAST KURATORIN

INA CIUMAKOVA
VÍNILUS, LITAUEN

Ina Ciumakova wurde in Zelenogradsk in Russland geboren und ist in Litauen aufgewachsen, wo sie einen Bachelor in Philosophie an der Vinilus Universität absolvierte, gefolgt von einem Master in Kulturwissenschaften an der KU Leuven Universität in Belgien.

Die junge Kurationsassistentin wurde mit dem Erasmus Mundus Stipendium ausgezeichnet und absolvierte den Media Arts Culture Erasmus Mundus Master Studiengang, wobei sie sich auf Kuration, Herkunft, Digitalisierung, Erlebnis und Installation von Design und Media Art spezialisierte. Das Stipendium ermöglichte es ihr, an der Universität von Lodz in Polen, an der Aalborg Universität in Dänemark, an der Donau-Universität in Krems in Österreich und an der City University in Hong Kong zu studieren. Ina arbeitete bereits als Kurations- und Künstler-Assistentin in vielen verschieden europäischen Ländern, was es ihr ermöglichte an internationalen Kunst Ausstellungen und Messen mitzuwirken. Unter Anderem hat Ina mit der Vereniging Instrument Inventors Initiative (‚iii‘) in Den Haag 2014 und 2015 und mit dem Ton und Kunst Kollektiv SoCCos während Q-02 in Brüssel gearbeitet. 2017 arbeitete sie als Haupt Kurationsassistentin des ISACS17, der Curating Sound, Art & Science Konferenz am ZKM Karlsruhe. Ihre künstlerischen Arbeiten wurden 2017 an der Nime Konferenz in Kopenhagen und der Ars Electronica in Österreich, sowie 2018 bei Cashmere Radio und Binz39 in Zürich vorgestellt. Durch ihre vielen Reisen und dank ihrer großen Erfahrung mit Kunstbezogenen Institutionen erlebt Ina die kontemporäre Kunst Welt aus vielen verschiedenen Blickwinkeln.

Von Kreativität und kreativen Menschen umgeben zu sein, ist für Ina ein fester Bestandteil ihres Lebens und ihres Berufes geworden. Neue Kunstrichtungen, die sie faszinieren sind vor allem Medien-, Video sowie Tonkunst. Ihr aktueller Forschungsansatz fokussiert sich auf Telepräsenz Kunst.


INTERVIEW


Ina, was bedeutet Kunst für Sie?
Kunst ist eine Infragestellung der Realität. Kunst unterbricht unsere gewöhnlichen Glaubenssätze und schafft einen Raum für Vorstellungskraft, Magie und Neuerfindung auf gemeinschaftlichem Boden.

Wann sind Sie das erste Mal mit der Kunst in Berührung gekommen?
Während meiner Kindheit, habe ich sehr viel gezeichnet und früh angefangen einen Kunstkurs zu besuchen, wo wir Kunstwerke analysierten. Nach der Schule, verbrachte ich viel Zeit mit den Gedichtbänden in der Bibliothek meiner Großmutter. Das waren wohl meine ersten und wahren Berührungen mit der Kunst. Doch falls man von der ersten Liebe in der Kunst spricht, entdeckte ich im Alter von 11 oder 12 eine starke Bewunderung für den französischen Impressionisten Claude Monet, insbesondere für seine Seerosenbilder. Ich war völlig fasziniert von seinem Umgang mit Farben und der mysteriösen Sensation, die sie in mir auslösten.

Weshalb entschieden Sie sich, in der Kunst zu arbeiten?
Von neugierigen und kreativen Menschen umgeben zu sein ist das Beste an meinem Beruf. Da ich immer von kreativen Menschen umgeben war, die Literatur, Photographie, Tanz und insbesondere Film und Musik liebten, kam mir nie der Gedanke, etwas außerhalb dieser Bereiche auszuüben. Auf natürliche Art und Weise, ziehen mich die Kreationen von Designern, ihre wohl-recherchierte Wahrnehmung und verarbeiteten Materialien an. Außerdem faszinieren mich standort-spezifische, urbane Interventionen, die die Bedeutung von Dingen für eine Weile verändern und uns mit Verwunderung hinterlassen.

Entlang Ihrer Karriere haben Sie mit zahlreichen Künstlern und Kuratoren zusammengearbeitet. Wie würden Sie diese Erfahrung in Ihren eigenen Worten beschreiben?
In der Tat, während die letzten Jahre habe ich mit sehr vielen unterschiedlichen Kuratoren und Künstlern zusammengearbeitet und es war eine durchaus herausfordernde Erfahrung. Man muss viel Energie in Projekte investieren und umgeben von starken Persönlichkeiten, ist es besonders wichtig ein guter Zuhörer zu sein und vermitteln sowie verhandeln zu können. Lösungen für bestimmte Situation finden zu können, ist auch Teil dieser Arbeit.
Also ja, es ist definitiv herausfordernd, aber letztendlich ist es eine bereichernde und einsichtsreiche Erfahrung.

Welche zeitgenössische Ausstellung würden Sie unbedingt empfehlen?
Da ich mich besonders für Medien, Ton und die interaktiven Künste interessiere, würde ich Aldo Tambellini’s “Black Matters” im Zentrum für Medienkunst (ZKM Karlsruhe) empfehlen. Es war eine temporäre Ausstellung, die letztes Jahr dort stattfand und die dann zu anderen Museen reiste. Für die Liebhaber des Surrealismus, würde ich die permanente Sammlung des Museums für Zeitgenössische und Moderne Kunst in Straßburg empfehlen - jeder Raum ist einzigartig und lässt das Zeitgefühl verschwinden.

Welche aufsteigenden Künstler haben Sie neulich beeindruckt?
Ganz eindeutig: Soline Heurtebise und ihre wundervollen, sehr intensiven und detaillierten Bleistift-Zeichnungen. Feminine Formen sind die meist auftretenden Motive. Noémie Aspers zeitbasierende Installationen und Skulpturen fordern den Verstand heraus. Asper verarbeitet antagonistische Materialien, wie zerbrechliches blaues Glass neben grauem und monotonem Beton, sie formt heiß-glühenden Asphalt auf persischem Teppich. Herausfordernde Werke und mehrschichtige Konzepte. Beide Künstler leben und arbeiten zurzeit in Brüssel.

Welche Trends und Tendenzen haben Sie für dieses Jahr in der Kunst beobachtet?
Heutzutage hinterfragen viele Künstler die Technologie und ihren Stellenwert in unseren Leben. In der Musik sowie in den Visuellen Künsten existieren viele Ideen, die aus der Interaktion mit der Technologie stammen.
Abhängig vom Land in dem man sich befindet, kann man auch unterschiedliche künstlerische Stile entdecken, die vollkommen andere Stellungen und Meinungen zu den gleichen Thematiken beziehen. Und genau das ist interessant. Ich habe einige Zeit in Portugal verbracht, wo ich einige Diskussionen über den Stellenwert von Computern im kreativen Prozess, Performance mit Robotern und so weiter miterlebt habe. Andererseits nehme ich mehr und mehr öffentliche künstlerische Interventionen auf der Straße wahr. Allerdings kann all das nicht als Tendenz eingestuft werden.

Haben Sie einen Tipp für junge, aufstrebende Künstler?
Wenn man sich langweilt, dann dreht man sich immer im Kreis:
Kollaborationen mit anderen Künstlern können eine sehr aufregende Erfahrung sein. Sei es, ein gemeinsames Projekt mit erfahreneren Künstlern, die bereits über eine ausdrucksstarke Arbeitsweise verfügen und mit dem kreativen Prozess vertraut sind oder sei es, mit jüngeren Künstlern, die auf Ihrem Wege alles analysieren und mehr oder weniger kreativ sind als man Selbst. Aus der eigenen Comfort Zone herauszutreten ist gewiss eine Herausforderung, aber diese Momente, in denen der Fuß den Boden kaum berührt sind sehr stimulierend.


Haben Sie einen Tipp für Jemanden, der eine eigene Kunstsammlung beginnen möchte?
Die sinnliche Wahrnehmung des Auges und der Ohren ist Etwas, was erlernt und stetig erweitert werden muss. Die beste Art und Weise um die eigenen Sammlung zu initiieren, ist es der Intuition zu folgen. Werden Sie vertraut mit dem Künstler, der Sie begeistert, lesen und hinterfragen Sie was Sie lesen. Die Kunstwerke, in die Sie sich verlieben, sollten im Laufe der Zeit immer mehr Faszination in Ihnen wecken.

Erzählen Sie uns doch bitte von Ihrer Auswahl für Artig Gallery. Was hat Sie für diese Kuration inspiriert? Welches Konzept hatten Sie im Kopf?
Für Artig Gallery habe ich Kunstwerke ausgewählt, die auf faszinierende Art und Weise eine visuelle Geschichte erzählen, ein natürliches Verlangen zum Innehalten auslösen und die Augen des Betrachters für einen Moment wundern lassen.

Als erster Teil der Ausstellung zeige ich die Photographien von Martina Matencio beginnen. Sie spielt und experimentiert mit dem Konzept des Portraits und ergründet die Sinnlichkeit der modernen Weiblichkeit. Ihre Herangehensweise an die Sinnlichkeit wird durch Gesten und Farben (natürliches Licht, nackte Haut, warme Farben, verführerische Texturen) ausgedrückt. Anstelle von der Entblößung der Gesichter ihrer Modelle,le visage, versteckt Martina sie hinter Schatten (Even) oder Objekten (Vuestros Ojos). Die Magie dieser Photographien besteht darin, dass sie undurchdringlich sind und wir nur die fragmentierte Spitze des Eisbergs betrachten können.

Der zweite Teil der Ausstellung ist eine Widmung an zeitgenössische Landschaften. Sowohl Sara Janini als auch Roger Grasas dirigieren die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Paradoxen der Moderne. In dieser Hinsicht, begegnen Janini’s Blackroads 05 und Grasas’s Inshallah 03 einander im Einklang. Wir stehen vor dem grenzenlosen Horizont, welcher im Laufe von vielen Jahren als die Quelle von erhabener Schönheit galt - majestätische Berge, prächtige Wüsten, unberührte Natur, Wildnis. Dann begann jedoch die Industrialisierung und nahm diese überwältigenden Landschaften in Anspruch für die Produktion von Waren und Produkten. Dies beeinflusste das zwischenmenschliche Verhältnis sowie das Verhältnis der dort ansässigen Menschen mit ihrer Umwelt. Daraufhin folgten die Globalisierung, der Tourismus und der Handel… Die Impressionen dieser Prozesse können wie visuelle Poesie gelesen werden, da die einhergehenden Veränderungen mit großer Sensibilität verbildlicht wurden. Für Janini ist es selbstverständlich, dass die kontemporäre Welt mit ihren neuen Mythen gleichermaßen eine Erforschung Wert ist.

Der dritte Teil der Ausstellung fällt unter das Thema der Vertrautheit, der Intimität. Ich bin irgendwie davon überzeugt, dass Orte, Dinge und Menschen, die uns tagtäglich umgeben, den größten Einfluss auf uns ausüben. In diesem Umfang denke ich, dass die Malereien von Luis Gomez Macpherson und Marie Tooth auf ihre Art einfache, jedoch sehr intime Momente teilen. Macphersons Passage (v.A. Pasadizo) - ähnelt einem Durchgang, den ich jeden Tag durchqueren muss um auf die Hauptstraße zu gelangen - lang, ein wenig düster, nicht immer vielversprechend, jedoch etwas sehr Vertrautes. Beim Betrachten dieses Motivs, wird mir bewusst, dass ich diesen Weg täglich wähle. Ich kann Nichts an dieser täglichen Routine ändern, jedoch überrascht es mich, dass ich diesem Ort niemals mit Aufmerksamkeit begegnet bin. In diesem Sinne ist das Gemälde reich an Erkenntnissen.

Tooths Malerei Tether, hat auch etwas mit dem Gefühl der Vertrautheit zu tun. Der Blickwinkel ist hierbei jedoch etwas anders - wir werden dazu aufgerufen, uns von unserem Körper zu distanzieren, um die Körper der Anderen betrachten zu können. Wir werden dazu aufgefordert, uns die innere Verbindung zwischen den beiden Körpern vorzustellen, wie sie - Hand in Hand - Intimitäten, Ängste und Spannungen teilen. Handelt es sich bei dieser Beziehung um eine Symbiose? Der Titel würde dies bestätigen.

Für welchen Typ von Betrachter ist diese Selektion von besonderem Interesse?
Vielleicht für reisende Poeten.

Vielen Dank für Ihre Zeit.
Es war ein Vergnügen.

INA'S SELECTED ARTWORKS:

  • Butterfly ThumbnailButterfly Thumbnail
    Curator's Choice

    Tether

    Marie Tooth
    Druck
    150cm x 170cm
    780 €
  • Here with Me ThumbHere with Me Thumb
    Curator's Choice

    Even

    Martina Matencio
    Fotografie
    Verschiedene Grössen
    150 €
  • Here with Me ThumbHere with Me Thumb
    Curator's Choice

    Vuestros Ojos

    Martina Matencio
    Gerahmte Fotografie
    40.5cm x 60,5cm
    280 €
  • Inshallah 03 ThumbInshallah 03 Thumb
    Curator's Choice

    Min turab 03

    Roger Grasas
    Fotografie
    70cm x 70cm / 100cm x 100cm
    650 €

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